Unsere innere Uhr und das Alter

Im Alter läuft so einiges nicht mehr so glatt wie früher. Unter anderem unsere innere Uhr, der sogenannte circadiane Rhythmus. Der sorgt unter anderem dafür, dass wir nachts müde sind und tagsüber wach. Sollte er zumindest. Bei alten Menschen klappt das immer weniger. Die sind dann oft tagsüber müde und können nachts nicht richtig schlafen. Da vermuten wir Schlafforscher heute, dass das nicht nur unangenehm ist, sondern auch ungesund.

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Alles wird älter. Auch die innere Uhr.

Diese neue Studie zeigt, dass es alten Mäusen genau so geht wie alten Menschen – die innere Uhr tickt nicht mehr so akkurat wie früher und passt sich nicht mehr so gut an die Umwelt an. Und weil man an Mäusen sehr viel besser und schneller forschen kann als an Menschen, haben die Wissenschaftler auch gleich herausgefunden, woran das liegt. Im Alter sinkt bei den Mäusen der Spiegel eines bestimmten Proteins in den Zellen der Master-Uhr (ein Hirngebiet namens SCN). Dieses Protein ist eine Untereinheit eines Rezeptors (namens NMDAR). Der funktioniert schon immer noch. Aber halt nicht mehr so gut.
Wenn Licht aufs Auge trifft und den Tagesanbruch signalisiert, vermittelt der Rezeptor NMDAR dieses Signal an die Zellen des SCN. Das führt dazu, dass die Uhr resettet wird. Egal, wie sie vorher stand, jetzt ist Tagesanbruch. (Wenn Tagesanbruch und innere Zeit zu weit auseinander sind, braucht man ein paar Tage zum resetten, das ist der Jetlag. Aber im Normalfall handelt es sich nur um eine Korrektur von ein paar “inneren” Minuten.)
Wenn die NMDARs nicht so gut funktionieren, klappt auch dieses Resetten nicht so gut. Die innere Uhr synchronisiert sich nicht vollständig mit dem “äußeren” Tag. Genau, was wir im Alter erleben.
Die Wissenschaftler haben in der aktuellen Studie herausgefunden, dass alleine der niedrige Spiegel dieser Untereinheit schon vollständig erklärt, warum alte Mäuse nicht so effektiv resetten wie junge Mäuse. Wenn man diese Untereinheit mit einem Medikament blockiert, sehen die jungen Mäuse nämlich (Rhythmus-mäßig) so aus wie sie alten. Bei den alten ändert sich nichts mehr – sie haben ja eh kaum noch was von der Untereinheit, da macht es auch nichts mehr, wenn sie blockiert wird.
Könnte also sein, dass das wirklich DER und wenn nicht, zumindest EIN Grund dafür ist, warum alte Menschen einen verkorksten Schlafrhythmus haben. Und wenn man so was erst einmal verstanden hat, ist man schon auf dem besten Wege, da gezielt was gegen tun zu können. Dann hätten unsere Rentner einen besseren Schlaf und wären vermutlich alleine dadurch schon länger gesund.
Wissenschaftler, ihr habt noch fast drei Jahrzehnte, bis ich in Rente gehe. Bis dahin will ich Ergebnisse sehen!

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